Freunde versus #Freunde – Vertrauen versus #Neugierde


«Die Zukunft ist geprägt von Oberflächlichkeit und Fake News.» «Wir werden keine echten Freunde mehr haben und uns immer mehr blenden lassen.» «Wir vereinsamen in unseren vier Wänden, weil wir die Aussenwelt nur noch online erleben.»


Diese und weitere Aussagen von düsteren Szenarien unserer Gesellschaft höre ich als Argumente, warum Businessnetzwerke und Social-Media-Kanäle nicht aktiv für die professionelle Vernetzung bei der Stellensuche oder Kundengewinnung eingesetzt werden.


Seit Generation werden Veränderungen mit pessimistischen Argumenten kommentiert, z.B. welche negativen Auswirkungen die technische Entwicklung auf die Jugend und ihre Zukunft haben werde. Bis jetzt war es aber meistens so, dass wir genügend Zeit hatten, eigene Erfahrungen zu sammeln. Dadurch schwand das Misstrauen, und wir waren bereit, die vormals pessimistische Meinung zu ändern.


Die Entwicklung der letzten 10 Jahre im Bereich der Businessnetzwerke und der sozialen Medien geht aber weit über den technologischen Aspekt hinaus. Es betrifft das, was die Menschen ausmacht: die Fähigkeit, ein persönliches soziales Netzwerk aufzubauen und zu pflegen. Früher hatte die Familie den grössten Stellenwert, gefolgt von engen Freunden, die für viele fast gleich bedeutend wie Familienmitglieder waren.


Innerhalb weniger Jahre wurde dieses Gefüge in Frage gestellt. Heute haben wir nicht bloss Familie, sondern zusätzlich #Familie oder #family. Wir haben nicht bloss Freunde, sondern #Freunde #Friends #BestFriends. Nicht bloss Geschäftskontakte, sondern #Kontakte #Netzwerkpartner #Profilbesucher #Favoriten, etc.


Um überhaupt noch den Überblick zu haben, wer für was unser Ansprechpartner ist, taggen wir unser virtuelles Netzwerk mit Begriffen. Zudem folgen wir Leuten, über deren Beiträge wir uns aufregen, und wir ertappen uns bei Reaktionen, die wir eigentlich gar nicht öffentlich zeigen wollten. Deshalb ist es verständlich, dass oft die Bemerkungen wie diese gemacht werden: Unsere Gesellschaft vereinsamt, wir führen keine tiefen Gespräche mehr und Oberflächlichkeit prägt unser Leben.


Persönlich sehe ich die Entwicklung zwar sehr kritisch an, erkenne aber auch die positiven Veränderungen, die durch die virtuelle Vernetzung stattgefunden haben. Wie immer liegt es an uns zu entscheiden, was für uns stimmt und was wir in unserem Leben zulassen wollen.


Richtig! Ich habe Tausende von virtuellen Kontakten in den Businessnetzwerken und auf den Social-Media-Portalen, zu denen ich bisher keinen persönlichen Kontakt hatte.

Richtig! Es gibt Beiträge, die ich in meinem Newsfeed sehe, die mich jedoch nicht interessieren oder sogar den Kopf schütteln lassen.


Gleichzeitig sehe ich jedoch auch die positive Seite der virtuellen Vernetzung.


Richtig! Mein persönliches Netzwerk von Menschen, die ich getroffen habe, wäre nie so gross und vielseitig geworden, hätte der Erstkontakt nicht in der virtuellen Welt stattgefunden.


Richtig! Interessante Blogartikel, Zeitungsberichte, persönliche Erfahrungen, faszinierende Videos und anregende Diskussionen wären mir entgangen, hätte ich mein Netzwerk nur auf jene Personen beschränkt, die ich persönlich kenne.


Genau diese Vielfalt an Informationen ist jedoch für uns eine Herausforderung geworden. Wir mussten erkennen, dass nicht alles im Netz der Wahrheit entspricht, dass Informationen gefälscht werden können, um uns zu beeinflussen. Genauso wäre es aber auch, wenn wir immer nur die eine Zeitung lesen würden – auch dann wären wir einseitig beeinflusst. Nur empfanden wir früher die Zeitung als eine Art moralische Instanz, von der man lange glaubte, dass alles der Wahrheit entspricht. Was heute nicht mehr der Fall ist.


Eine ungünstige Beeinflussung kann im Netz nur dann stattfinden, wenn wir uns einseitig informieren. Sobald unser Netzwerk jedoch aus verschiedenen Generationen, beruflichen Positionen, Branchen, Bildungsständen und politischen Meinungen zusammengesetzt und entsprechend vielseitig ist, werden wir automatisch damit konfrontiert, dass nicht nur eine Sicht vertreten ist. Facebook wird sehr oft als Paradebeispiel der oberflächlichen Kommunikation angesehen. Diese Oberflächlichkeit spiegelt aber bloss die Veränderung in unserer Gesellschaft wider. Wir können das ignorieren und als schlechte Entwicklung abtun. Oder uns der Verantwortung stellen und eine eigene Meinung bilden.


Alles in unserem Leben hat zwei Seiten. Nur wer fähig ist, beide Seiten offen zu beurteilen, kann aus jeder Entwicklung für sich den richtigen Nutzen ziehen. Ob als Privatpersonen im Gespräch zwischen Generationen oder im beruflichen Kontext im Austausch mit Kunden – wir tun gut daran, wenn wir allfälligen Bedenken mit einer Portion Neugier begegnen und uns auf Neues einlassen.


Manchmal werden wir auch gezwungen zu erkennen, dass #Family und #Friends einen grösseren Einfluss auf Personen haben, die uns nahe stehen, als die realen Familienmitglieder und Freunde. Wir können damit hadern und versuchen, an bisherigen Werten festzuhalten. Oder wir können realisieren, dass die wirkliche Familie und die wirklichen Freunde auf andere, eigene Weise nach wie vor eng mit uns verbunden sind. Wenn andere von ihren #Freunden sprechen und damit die virtuellen Kontakte meinen, sollten wir uns kein Urteil über die Qualität dieser Verbindung erlauben. Wir kennen die persönliche Positionierung nicht. Und diese variiert von #Freund zu #Freund – von #Kontakt zu #Kontakt.


Ich jedenfalls freue mich über den Austausch, die Diskussionen mit #Freunden, mit #Kontakten und ebenso über die tollen Gespräche am Tisch mit Freunden und Familie.

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