Wo bleiben die Frauen?! – Zur Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit


Da ist auf der einen Seite die Forderung – und auf der anderen die Realität:


· «Mehr Frauen in Führungspositionen!» – aber dahin kommen sie nicht.

· «Mehr Frauen in der Politik!» – doch da bleiben sie untervertreten.

· «Mehr Frauen in Verwaltungsräten!» – wir sehen sie nicht.

· «Mehr Frauen in den Medien!» – wir vermissen sie weiterhin.


Dabei sind die Ziele nicht erst seit heute definiert. Sie werden auch kaum in Frage gestellt – es gilt als richtig und notwendig. Trotzdem kommen wir seit Jahren nicht wirklich vorwärts. Natürlich gibt es Frauen in allen oben genannten Bereichen, aber bei weitem nicht so viele, wie es für unsere Wirtschaft, Forschung und Marktpositionierung notwendig wäre.


Aktuell wird die fehlende Präsenz der Frauen in den öffentlichen Themen und politischen Diskussionsrunden einmal mehr laut hinterfragt. Auch ich musste im Verlauf von 2018 beobachten, wie Fachpodien an Tagungen oder Diskussionssendungen am Fernsehen von Männern domminiert wurden. Spricht man die Verantwortlichen darauf an, geben die wenigsten zu, dass ihnen das Ungleichgewicht gar nicht erst aufgefallen sei.


Es scheint wohl aber ein Stück weit eine Frage der Bequemlichkeit zu sein. Wer ein Podium mit Fachleuten bestücken will, recherchiert in erster Linie im eigenen Netzwerk, das eben nach wie vor sehr männlich geprägt ist. Wenn die gesuchten Experten rasch zur Hand sind, fehlt oft das Bewusstsein, dass das bestehende Netz an Fachleuten nicht ideal ist und hinterfragt werden müsste, damit eine zeitgemässe Diskussionsrunde zusammengestellt werden kann.


Immer wieder hört man auch als Argument, weshalb keine Frau in der Expertenrunde vertreten gewesen sei, dass man keine weibliche Fachperson gefunden habe, oder dass geeignete Frauen die Teilnahme abgelehnt hätten. Glaubwürdig? – Wohl nur zum Teil. Und ganz an der Haaren herbeigezogen sind wohl Gründe wie: es sei ihnen wegen der Kinder nicht möglich gewesen teilzunehmen. Leider hört man solche pauschalen Klischees aus Bequemlichkeit immer wieder. Kompetente Frauen sind allerdings Managerinnen – sie wissen sich und ihre Kinder zu organisieren.


Sollten Frauen die Teilnahme an einem Podium ablehnen, liegen dem Entschluss wohl bewusste Überlegungen zugrunde. Tatsächlich ist es so, dass Frauen sich viel mehr als Männer die Frage stellen, ob und warum sie die öffentliche Präsenz suchen sollen. Dahinter verbirgt sich oft die Gesinnung des Selbstschutzes. Frauen setzen ihr Ego nicht ohne triftigen Grund in den Fokus. Sie messen sich vor allem an ihrer Arbeit, ihren Ergebnissen und am Nutzen, den sie in der öffentlichen Präsenz sehen. Zu Recht: Solange Frauen in führenden Positionen noch mit anderen Massstäben gemessen und leider immer noch auf persönlicher Ebene angegriffen werden, ist die Frage berechtigt: «Warum soll ich mir das antun?» Nicht immer steht nur Angst oder mangelndes Selbstbewusstsein dahinter, sondern ganz pragmatisch auch die Abwägung: «Ist es mir das wert».


Das bedeutet auch: Frauen müssen mit sinnvollen Argumenten für öffentliche Auftritte gewonnen werden. «Uns fehlt noch eine Frau» ist verständlicherweise nicht unbedingt der geschickte Satz in einer Anfrage, um eine Expertin zu überzeugen.


Müssen Frauen gefördert werden? Ja und nein. Natürlich sind Frauen von sich aus fähig und schaffen es in diesem Sinne «alleine». Doch sie sind auf die gleichen Chancen wie die Männer angewiesen. Und solange diese nicht im gleichen Mass bestehen, ist eine Förderung notwendig. Wir wollen nicht nochmal ein bis zwei Generationen warten müssen und darauf hoffen, dass Frauen ihre Rechte bewusster einfordern und Konsequenzen ziehen, wenn die Gleichberechtigung nicht gewährleistet ist. Unternehmen müssen endlich erkennen, was ihnen entgeht, wenn sie die Frauen im eigenen Umfeld bei Beförderungen nicht berücksichtigen oder sie bezüglich Lohn nicht gleichberechtigt behandeln.


Ein wichtiger Aspekt ist die Sichtbarkeit im Beruf. Frauen müssen sich bewusst damit auseinandersetzen, dass sie an Reputation nur dann zulegen können, wenn sie in ihren Funktionen wahrgenommen werden – zu allererst in ihrem eigenen internen Umfeld. Und dann darüber hinaus bei Medienanfragen, Expertenrunden und öffentlichen Auftritten.

Die Zeit ist überfällig, dass Frauen bewusster die publikumswirksame Präsenz suchen sollten, auch wenn Aufwand und Nutzen für sie im Moment nicht in der Waage ist. Es geht nicht nur um den einen Moment, sondern um die generelle berufliche Planung. Besonders im Netz von Fachexperten ist die Sichtbarkeit ein wichtiger Aspekt. Denn genau hier passiert es oft, dass Frauen nicht die Anerkennung erhalten, die ihnen zustehen würde.


Deshalb mein Appell einerseits an die Verantwortlichen von Podien und Diskussionssendungen:


· Bauen Sie Ihr Netz an Fach- und Führungskräften im Vorfeld bewusst mit Frauen aus, so dass Sie im Falle der Notwendigkeit darauf zurückgreifen können. Es gibt Branchen, bei denen das nicht ganz einfach ist. Halten Sie hier Ausschau nach beruflichen Frauennetzwerken – sie können dabei Unterstützung bieten.


Und mein Aufruf andererseits an die Frauen:


· Sie tragen ebenfalls Verantwortung daran, dass sich eine Veränderung einstellt. Legen Sie Ihre Bescheidenheit ab – zeigen Sie aus Prinzip Präsenz und demonstrieren Sie Ihren Expertinnen-Status. Die weiblichen Fach- und Führungskräfte von heute sind die Vorbilder für die kommende Generation an Berufsfrauen. Wenn sie nicht sichtbar sind, erreichen wir den gesellschaftlichen Wandel noch lange nicht, den wir in der Wirtschaft so dringend brauchen.

PR CONSULTING

GmbH

  • Facebook - Grey Circle
  • Twitter - Grey Circle
  • linkedin-icon-for-resume-15
  • YouTube - Grey Circle
  • Instagram - Grey Circle

Föhrenweg 16

CH - 5606 Dintikon

Schweiz

Mobile: +41 79 334 36 90

pr@petrarohner.ch

© 2018  by PR Consulting GmbH – Impressum